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Geschichte des Tennis PDF Drucken E-Mail


Der Name Tennis geht auf den mittelenglischen Begriff tenes bzw. tenetz zurück, der ein ähnliches Ballspiel bezeichnete. Der Ursprung dieser Bezeichnung lässt sich wiederum auf den Imperativ Plural von frz. tenir (halten) zurückführen. Der Ausruf „Tenez!“ - im Sinne von „Nehmt, haltet (den Ball)!“ - eines aufschlagenden Spielers war ursprünglich vermutlich als Warnung für den Mitspieler gedacht.

Tennis ist keine englische Erfindung wie meist vermutet, sondern entstand im 13. Jahrhundert in nordfranzösischen Klosterhöfen. Die in Nordfrankreich verbreitete Vorform des heutigen Tennis wurde "cache" genannt - eine pikardische Dialektform aus dem Lateinischen "captiare" mit der Bedeutung "jagen, fangen". Von Nordfrankreich aus verbreitete sich das Spiel über das restliche Frankreich, weiter nach Flandern und bis nach Schottland. "Cache" wurde bis Ende des 15. Jahrhunderts mit der Hand gespielt, wobei ein Handschuh mitunter vor den harten Bällen schützte. Schläger werden erst im Jahre 1495 erwähnt. Daher kommt die in Frankreich - außer im Norden des Landes - zunächst übliche Bezeichnung "jeu de paume" - Spiel mit der Handfläche.

Zu den mittelalterlichen Klöstern gehörte ein Kreuzgang mit Innenhof, dessen schräges Dach mit Säulen abgestützt wurde. Fest steht, daß das Service auf das Dach der einen Längsseite dieses Kreuzganges plaziert werden mußte. Nachdem auch der Adel der Faszination der Spiels erlegen war, wurde ein Dach als Anspielfläche eingezogen oder man baute es in verschiedenen Variationen nach.

Die ballspielenden Mönche bekamen Nachahmer durch die anderen Stände. Bürger und Bauern spielten "cache"  auf den ebenen und festen Kirchhöfen, was der Geistlichkeit ziemlichen Verdruß bereitete. Scheiben gingen entzwei, und die "Sportgeräusche" störten den Gottesdienst. Die Aristokratie dagegen sorgte sich um die Moral und die Wettleidenschaft ihrer Untertanen, denn auf den Sieger wurden hohe Beträge ausgesetzt. Sie hätten diese Leute lieber bei vermeintlich "sinnvollen Waffenübungen" gesehen. Während die Bürger für ihre Spielleidenschaft auf öffentliche Plätze angewiesen waren, verfügten die spielbesessenen Adeligen über eigene Spielplätze. Zunächst waren es die trockenen Schloßgräben, später eigens angelegte Plätze auf dem Schloßareal, die jedoch für die restliche Bevölkerung unzugänglich waren. Doch einige wohlhabende Bürger wehrten sich gegen die Vormacht der Adeligen und gründeten 1405 in verschiedenen flandrischen Städten "Tennisclubs", deren Mitglieder das "jeu de paume" in der Halle und im Freien spielen konnten.

Im Jahre 1464  veranstalteten Bürger in Brügge das 1. Tennisturnier der Geschichte, an dem zwei Teams teilnahmen. In Frankreich und England wurden diese bürgerlichen "Umtriebe" streng bestraft. Der erste namentlich erwähnte königliche Tennisspieler war Ludwig X von Frankreich (geb. 1289). Er bezahlte seinen Sport allerdings mit dem Leben, da er sich nach einem Match erkältete und an einer Lungenentzündung starb. Weitere gekrönte Häupter, die ihr Leben nicht auf dem Schlachtfeld ließen, sondern durch den Tennissport verloren, waren Philipp der Schöne, König von Kastilien und Karl VIII, der sich allerdings auf dem Weg zum Tennisplatz an einem Türpfosten den Schädel einrannte. Andere Herrscher spielten Tennis bis zur völligen Verschuldung.

Die Bürgerliche Margot aus Hennegau, geboren 1402 in Mons, war die erste professionelle Tennisspielerin. Im Alter von 20 Jahren ist sie als Tennisspielerin schon so bekannt, daß sie von Philipp dem Guten, - ebenfalls passionierter Tennisspieler -, gegen Bezahlung verpflichtet wird, an seinem Hofe zu spielen. Sie kehrte mit einer beträchtlichen Geldsumme in den Hennegau zurück, spielte später in Flandern und Brabant Tennis und wurde schließlich  Nonne in einem Kloster bei Naumur,  von wo aus sie die Bewohner im  "jeu de paume" unterrichtete.

Das 16. und 17. Jahrhundert ist das "goldene Zeitalter" des Tennis. "jeu de paume" entwickelt sich zum Volkssport. Trotz den nach wie vor bestehenden Verboten wird Tennis zunehmend von Bürgern, Bauern und Studenten gespielt. In den Städten entstehen immer mehr offene und überdachte Spielplätze. Jede gesellschaftliche Schicht frönt der Leidenschaft auf ihre Weise, im Schloßhof, in einem eigens angelegten Gebäude oder auf einer Wiese.

Der französische König Franz I (geb.1494) läßt 1533 gar auf dem Sonnendeck seines Schiffes "La Grande Francoise" einen Tennisplatz bauen. Sonnensegel schützen den königlichen Spieler vor der Sonne. Der Tennissport beeinflußt auch das übrige Leben. Katharina de Medici kreierte eine Haarmode (coiffure en raquette), die an die diagonale Saitenbespannung der damaligen Tennisschläger erinnert. 

Auch in England hat die Tennisbegeisterung im 16. Jahrhundert einen Höhepunkt erreicht. Heinrich VIII (geb. 1491) ist ein leidenschaftlicher Spieler. Er besitzt mindestens acht Tennisschläger und zahlreiche Tennisplätze u.a. in Richmond, Greenwich, Windsor und Hampton Court. Oft spielt er um hohe Einsätze und bezahlt so in knapp drei Jahren aus seiner Privatschatulle über 3000 Pfund für Spielschulden. Seinen Untertanen schränkt er dagegen das Tennisspielen ein. Adelige und Bürger mit einem Jahreseinkommen über 100 Pfund dürfen einen Tennisplatz besitzen - die anderen benötigen eine Lizenz.

Mit der Herrschaft von Oliver Cromwell und dem Exil des englischen Königshofes wird der Tennissport in England eingeschränkt. Mit der Rückkehr der englischen Königsfamilie aus dem französischen Exil im Jahre 1660 erlebt der Tennissport eine neue Blüte. Die Zahl der Tennisplätze in Schlössern und Adelsresidenzen wächst ständig. Ballhäuser, heute Tennishallen, entstehen. Herzog Johann Casimir von Sachsen vollendet 1629 in Coburg nach französischem Vorbild ein Ballhaus.

Auch die Studenten entdecken den Tennisport für sich. In Oxford, Cambridge, Poitiers oder Orleans unterhalten einige Colleges und Universitäten eigene Plätze. 1594 wird in Ingolstadt ein Ballhaus für die Studenten "zur Unterhaltung und zweckmäßigen Leibesübung errichtet".

Gleichzeitig werden in Frankreich und England Spielplätze angelegt, die jedermann offenstehen. In Paris existieren Ende des 16. Jahrhunderts nach unterschiedlichen Angaben zwischen 250 und 1.800 Plätze, in Orleans sechzig und in London vierzehn. Das notwendige Schrägdach wird nicht selten durch ein nachträglich angebrachtes Dach an der Vorderfront eines Hauses ersetzt oder durch ein auf drei Holzpflöcke gestelltes umgedrehtes Getreidesieb. Diese Konstruktion ist transportabel und macht die Tennissportler von festen Plätzen unabhängig. Im deutschen Sprachraum gibt es im 16. und 17. Jahrhundert nur ca. 50 Tennisplätze außerhalb der Adelsresidenzen, so z. B. in Frankfurt, Nürnberg, Halle und Leipzig.

Der Tennisball im 16. und 17. Jahrhundert ist mit dem heutigen Hohlgummiball nicht zu vergleichen. Hochwertige Bälle aus Leder enthalten einen Kern aus Wolle, Haupt- oder Barthaar, minderwertige sind mit Sand, Erde oder Metallspänen gefüllt. Verletzungen mit Todesfolge bleiben nicht aus. Marktführer bei der Herstellung der Tennisbälle sind zu jener Zeit die Franzosen, sehr zum Ärger der englischen "Produzenten". In Frankreich wird seit Ende des 16. Jahrhunderts die Lederhülle der Bälle durch eine aus weißem Tuch ersetzt.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts setzt langsam der Gebrauch von Tennisschlägern ein. Sie sind massiv aus Holz gefertigt oder wie Tambourins mit Pergament bespannt. In manchen Matches bis Ende des 16. Jahrhunderts stehen sich dann Spieler mit und ohne Schläger gegenüber. Dem ohne Schläger Spielenden wird ein Handicap von einem Punkt eingeräumt. Anfang des 16. Jahrhunderts werden Schläger erstmals mit Darmsaiten bespannt. Heute sind die Griffe der Tennisschläger wesentlich länger, der Schlägerkopf oval und die Saiten werden nicht mehr diagonal zum Griff bespannt.

Bereits um 1300 sind in Paris mehr als zwölf  "paumiers" tätig, die zunächst der Zunft der Bürstenmacher angehören. Es sind Tennisprofis, die Bälle herstellen und Spielplätze betreuen. Mitte des 16. Jahrhunderts gründen sie die Zunft der "paumiers-raquetiers".  Drei Jahre dauert eine Lehre. Nach einer Gesellenzeit kann die Meisterprüfung abgelegt werden. Der zukünftige Meister muß Tennisbälle und -schläger herstellen sowie zwei anerkannte Profispieler in einem Match bezwingen. Im 16. Jahrhundert werden auch spezielle Tennisschuhe hergestellt. Sie haben keinen Absatz und meist Sohlen aus Filz. Gleichzeitig werden die ersten Lehrbücher veröffentlicht. Die bedeutendsten stammen vom Italiener Antonio Scaino, einem Doktor der Theologie. In seinem "Trattoto des gioco della palla" (1555) beschreibt er neben anderen Ballspielen auch das "jeu de paume". Er setzt sich mit der Beschaffenheit des Platzes, der Bälle, des Schlägers, den Regeln und taktischen Fragen auseinander. Monsieur Gosselin, der Bibliothekar des französischen Königs, verfaßt 1579 die "Declaration de deux doubtes qui se trouvent en competant le jeu de paume", die "Erklärung von zwei zweifelhaften Fällen beim Zählen des "jeu de paume".

Nachdem sich das "jeu de paume" im 16. und 17. Jahrhundert zum Volkssport entwickelt, wird die Kritik an der Sportart immer lauter. Die Adeligen nutzen die Ballhäuser zum Flirten und um hohe Einsätze zu spielen. In öffentlich zugänglichen Ballhäusern werden alle möglichen Glücksspiele betrieben. Betrügereien nehmen überhand. Weiterhin wird immer noch nach uneinheitlichen Regeln auf unterschiedlich großen Plätzen gespielt. So geht die Zahl der Ballhäuser im späten 17. und 18. Jahrhundert drastisch zurück. Sie werden in Theater und Ballsäle umgebaut. Die Französische Revolution (1789) tut ein übriges, den Untergang des Tennissports in Frankreich zu beschleunigen.

In England können sich die Traditionen des "jeu de paume" besser bewahren, auch wenn sich hier die Anzahl der Plätze und Spieler ebenfalls drastisch verringern. Tennis wird  im 19. Jahrhundert zunehmend der Sport für den exklusiven Landadel. 1878 gibt es noch ca. zwanzig Plätze, auf denen das althergebrachte "jeu de paume" mit dem Service auf das Dach der Galerie gespielt wird. Das "jeu de paume" erhält den Namen "real tennis", "royal tennis" oder schlicht "Tennis".

Zu dieser Zeit entwickelt Major Walter C. Wingfield Rasentennis aus Elementen des field-tennis (wird im Freien gespielt, ohne eigens konstruierten Platz und ohne feste Regeln), Rackets (Vorgänger des Squash), "real tennis" und Badminton, das von ihm genannte "Sphairistike´" "oder "lawn-tennis". Es wird  wie der Name sagt - ursprünglich nur im Freien gespielt. Die aus dem Griechischen stammende Bezeichnung "Sphairistike" (das Ballspiel betreffend) wird bald vergessen. Aufgrund seiner einfachen Spielweise und weil es auf jedem ebenen Rasen gespielt werden kann, tritt das "lawn-tennis" seinen Siegeszug in England an. Statt einer Mauer, einem Dach oder einer Galerie werden nur noch ein Netz und eine trapezförmige Spielfläche benötigt. Major Wingfield läßt sich sein Netz patentieren, das er vom Federball übernommen hat und für sein "lawn-tennis" dreiteilig konstruiert. Die Seitenflügel erinnern an die Seitenwände des alten Tennis. Verwendet werden in Deutschland hergestellte Hohlgummibälle. Der Aufschlag erfolgt aus einem Viereck immer von einer Seite, wobei nur der Aufschlagende punkten kann.

1877 richtet der All England Croquet and Lawn Tennis Club das 1. große Rasentennis-Turnier aus. Die Spielregeln entsprechen annähernd  den heutigen. So erfolgt der Aufschlag jetzt von der Grundlinie, und die Punkte werden wie beim alten "jeu de paume" gezählt: 15  30  40 (oder 45). Das Spielfeld ist rechteckig, das Netz niedriger und der Tennisball mit weißem Flanell überzogen.

Frauen haben ebenfalls schon recht früh Zugang zum neuen "Lawn-tennis".1879 dürfen sie in Irland spielen, ab 1884 in Wimbledon. Die Damen tragen lange weiße Kleider, Hüte und nicht selten hochhackige Schuhe.

Mit dem Aufkommen des Profi-Tennis Mitte der 1920er-Jahre wurden zu vielen großen Turnieren nur noch Amateure zugelassen. 1925 wurde Tennis aus dem olympischen Programm gestrichen. 1968 wurde die Beschränkung aufgehoben (siehe auch Open Era), wodurch große Turniere, wie zum Beispiel die US Open oder die French Open, erhebliche finanzielle Bedeutung erlangten. Seit 1988 ist Tennis wieder eine olympische Disziplin.

(aus: Theo Stemmler, Kleine Geschichte des Tennisspiels und Wikipedia)

 
 
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